In the Pines

4.3.-13.3.22

Atelier 8, Alter Schlachthof 13 A, 76131 Karlsruhe

Mit Arbeiten von Mirela Moscu, Kateřina Rafaelová, Herve Bossy, Martin Pöll und Julian Riedel; Kuratiert von Julian Riedel

„In the pines, where the sun don´t ever shine. I would shiver the whole night through.“

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf einen Folksong aus den Appalachen, der wahrscheinlich um die Zeit der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts entstand. Von seiner ersten kommerziellen Aufzeichnung an im Jahr 1926 von Doc Walsch wurde der Song unzählige Male neu interpretiert, aufgenommen und vermischt mit anderen Folksongs, wie etwa „the longest train“.

Einerseits wurde der Song, etwa in Lead Bellys Interpretation als düstere und brutale Mordballade interpretiert, auf der anderen Seite ist die Bluegrass-Version von Bill Monroe sehr viel heiterer, jedoch beinhaltet auch dessen Version eine seltsam anmutende Sehnsucht.

Die Interpretation von Kurt Cobaine, die er 5 Monate vor seinem Tod, umgeben von Kerzen und Lilien spielt, wirkt wie eine düstere Vorhersehung und bleibt uns deswegen besonders eindrücklich. Sie lässt uns aber auch an unsere Kindheit und Jugend denken. An Nirvana hören, im Wald spielen und an harzverklebte Hände.

Was der Song durch seine vielen verschiedenen Interpretationen ausdrückt, spiegelt wohl auch das ambivalente Verhältnis des Menschen zum tiefen, undurchdringlichen Wald wider. Nämlich, dass dieser nicht erst durch die Pandemie Sehnsuchts- und Erholungsort ist, jedoch auch als Ort der Wildnis mysteriös und undurchdringlich bleibt und somit auch nicht geheuer.

Hervé Bossys Fotografien sind das Resultat einer journalistischen Langzeitrecherche zu den Themen „Illegale Rodungen in Rumänien“ und „Bären in Rumänien“. Artikel dazu erschienen von ihm in der Le Temps. Trotz des dokumentarischen und politisch-gesellschaftlich Charakters erinnern die Fotografien stark an barocke oder romantische Malereien. Der düstere Charakter der Mordballade scheint beinahe allegorisch für die illegalen Rodungen.

Mirela Moscu erschafft in ihren Gouachen eine eigene malerische Welt, in der sich Figuren in der (Malerei-)Landschaft auflösen und wieder materialisieren. Freilassungen oder Unschärfen im Bild erzeugen weitere offene Fragen und lassen uns über den Grund der Anwesenheit der gemalten Wesen im Unklaren.

Julian Riedel malt Bilder, die seinem persönlichen Bildarchiv entspringen. In seiner malerischen Suche nach Poesie setzt er sich mit dem Verhältnis zwischen Innen und Außen auseinander. Oft werden hierbei Ausblicks- oder Fenstersituationen gezeigt. In seinen „Kapuzenbildern“ zum Beispiel der Blick aus der Kapuze, Basecap tragend.

Kateřina Rafaelovás Zeichnungen und Malereien wirken wie aus einem Märchen entsprungen. Sie beinhalten mystische Wesen, Tiere und Menschen, deren Attribute nur eine unklare Kontextualisierung über deren Intention und Handeln zulassen. Ihre Arbeiten sind gleichermaßen verträumt, wie spannungsvoll das Unheil ahnend aufgeladen.

Dieses Projekt wurde unterstützt durch ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.